Antarktis und der Anstieg des MeeresspiegelsAccess the video

Eisschmelze in der Antarktis hebt Meeresspiegel an

15 Juni 2018

Schmelzendes Eis in der Antarktis hat seit 1992 den Meeresspiegel um 7,6 Millimeter angehoben. Dabei fand über die Hälfte dieses Anstiegs in den vergangenen fünf Jahren statt. Das hat ein internationales Wissenschaftlerteam in einem gemeinsamen Forschungsprojekt herausgefunden, für das Satellitendaten ausgewertet wurden.

Andrew Shepherd von der Universität Leeds (Großbritannien) und Erik Irvins aus dem Jet Propulsion Laboratory der NASA haben die Forschungen des 84-köpfigen Teams, bestehend aus Wissenschaftlern aus 44 internationalen Organisationen, geleitet. Sie haben den bisher umfassendsten Bericht über die Veränderungen der antarktischen Eisschichten zusammengetragen.

Ihre Forschung wurde in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht und zeigt, dass die Antarktis bis zum Durchführen der letzten Untersuchung im Jahr 2012 jedes Jahr 76 Milliarden Tonnen Eis verloren hat. Durch dieses Abschmelzen ist der Meeresspiegel um 0,2 Millimeter jährlich angestiegen.

Seit 2012 ist das antarktische Eis allerdings drei Mal so schnell geschmolzen.

Zwischen 2012 und 2017 hat die Antarktis 219 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verloren. In der Folge ist der Meeresspiegel jedes Jahr um 0,6 Millimeter gestiegen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel Auswirkungen auf eine der abgelegensten Regionen der Welt hat und wie dies den Rest des Planeten beeinflusst.

„Wir gehen schon lange davon aus, dass die Veränderungen des Erdklimas die polaren Eisschichten beeinflussen werden“, sagt Professor Shepherd, „dank der Satelliten, die unsere Weltraumorganisationen ins All gebracht haben, können wir diesen Eisverlust und dessen Auswirkungen auf den weltweiten Meeresspiegel mit genauen, sicheren Daten nachverfolgen und belegen.“

„Unsere Analyse ist zu dem Schluss gekommen, dass die antarktischen Eisverluste im vergangenen Jahrzehnt dramatisch zugenommen haben. Durch das massive Abschmelzen des Eises steigt der globale Meeresspiegel heute schneller an als je zuvor in den letzten 25 Jahren.“

Analyse des antarktischen EisverlustesAccess the video

„Die Regierungen unserer Heimatländer müssen sich dieser Gefahr bewusst sein und daraus Schlüsse für den Schutz der Küstenstädte und -regionen ziehen.“

Für diese wissenschaftliche Analyse haben die Experten Daten verschiedener Satellitenmissionen ausgewertet. Als besonders nützlich haben sich die des ESA-Forschungssatelliten CryoSat und des Copernicus-Satelliten Sentinel-1 erwiesen.

CryoSat ist mit einem Radarhöhenmesser ausgestattet und vermisst die Veränderung der Eishöhe. Diese wird zum Berechnen der Volumenveränderungen im Eis genutzt. CryoSat ist darüber hinaus auch in der Lage, Veränderungen an den Rändern der Eisdecke, zum Beispiel infolge des Kalbens, genau zu vermessen.

Die Sentinel-1-Mission überwacht mit ihren zwei Radar-Satelliten die Eisbewegungen auf der Erde – bei wolkenfreiem wie wolkenverhangenem Himmel sowie bei Tag und Nacht, was besonders wichtig während der dunkeln Polarwinter ist.

Josef Aschbacher, ESA-Direktor für Erdbeobachtung, fügt hinzu: „CryoSat und Sentinel-1 haben einen wesentlichen Beitrag zu unserem Wissen darüber geliefert, wie die Eisschichten auf den Klimawandel reagieren und wie das Abschmelzen den Meeresspiegel erhöht, was uns allen große Sorgen bereitet.“

„Diese beeindruckenden Ergebnisse belegen einmal mehr, wie engagiert wir zur Erforschung unseres Klimas beitragen. Dazu gehören auch unsere Klimawandel-Initiative CCI sowie gemeinsame Datenauswertungsprojekte. Die Zusammenarbeit mit unseren Kollegen von der NASA hat sich wieder als besonders fruchtbar herausgestellt.“

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Die ESA-EismissionAccess the image

„Deswegen ist es besonders wichtig, dass wir weiterhin Satelliten nutzen, die das Eis auf der Erde vermessen. So können wir kontinuierlich verlässliche Daten zu den Eisschichten und dem Erdklima sammeln.“

Der um das Dreifache angestiegene Eisverlust des antarktischen Kontinents lässt sich teilweise auf den beschleunigten Abfluss von Gletschereis in der Westantarktis und der Antarktischen Halbinsel zurückführen.

Die Westantarktis hat das meiste Eis verloren. Während in den 1990ern 53 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr geschmolzen sind, sind es seit 2012 schon 159 Milliarden Tonnen jährlich. Vor allem der Pine-Island-Gletscher und der Thwaites-Gletscher gehen zügig zurück – wegen des wärmeren Meerwassers unter ihren schwimmenden Eisschichten.

Eric Rignot vom Jet Propulsion Laboratory der NASA fügt hinzu: „Von Radarsatelliten und Landsat gesammelte Messungen zeigen ein unfassbar präzises Bild der Gletscherveränderungen in der Antarktis. Wir sind nun in der Lage, die raschen Veränderungen des Eisabflusses in der Antarktis und dessen Auswirkungen auf den Anstieg des weltweiten Meeresspiegels im Detail zu verstehen.“

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