Europäisches Astronautenzentrum: Was macht man als Eurocom?

4 Dezember 2018

Wenn es Fragen zu den Experimenten und Abläufen auf der ISS gibt, eine Prozedur besprochen werden muss oder die europäischen Astronauten mit ihren Familien telefonieren möchten, dann ist Susanne Altenburger zur Stelle. Die Wirtschaftsingenieurin arbeitet im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln als Crew Support und Eurocom für die europäischen Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation.

Hilfe von der Bodenstation

Den berühmten Satz „Houston – we've had a problem“ kennt jeder. Den funkte Apollo 13-Kommandant Jim Lovell im April 1970 an das Kontrollzentrum in Texas, nachdem ein Sauerstofftank an Bord des Raumfahrzeugs explodiert war. In Houston hielt der Astronaut Jack Lousma zu dieser Zeit gerade die Funkverbindung zur Besatzung. Susanne Altenburger ist sozusagen das heutige europäische Pendant zum damaligen Jack Lousma. Sie arbeitet als „Eurocom“ im Flugkontrollteam für die Internationale Raumstation. Außerdem ist sie als Crew Support im „Astronaut Operations Office“ tätig.

Eurocom steht für „European communicator“. Die Kommunikationsspezialisten halten den Kontakt zwischen der europäischen Crew an Bord der ISS und der Bodenkontrolle. Sie sind die Schnittstelle und für den Erfolg jeder Weltraummission von entscheidender Bedeutung. Sämtliche Eurocoms werden im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln ausgebildet.

Ein Anruf für „Munich Station“

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Columbus-Labor an der ISSAccess the image

So dramatische Sätze wie damals mussten ESA-Astronauten wie Alexander Gerst noch nicht an ihr Team auf der Erde funken, aber auch auf der ISS gab es schon ein Leck oder fiel der Computer aus. „Immer wenn ich den Satz ‚Munich Station‘ höre, bin ich hellwach“, sagt Eurocom Susanne Altenburger. So wie die NASA-Astronauten ihr Flugkontrollzentrum in Houston anfunken, melden sich die europäischen Raumfahrer bei „Munich Station“, denn auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München befindet sich das Kontrollzentrum für das Columbus-Modul, den europäischen Teil der ISS. Eurocoms sitzen allerdings in Köln. Susanne Altenburger ist eine von rund 15 Eurocoms, die im Kontrollzentrum im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) arbeiten. Seit 2017 ist sie Mitglied des dortigen Flugkontrollteams. Die 29-Jährige hat Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Materialwissenschaften studiert, einen Bachelorabschluss in Management und europäische Sprachen absolviert und erste Luftfahrterfahrungen beim DLR in Augsburg gesammelt. Sie spricht Russisch, Englisch und Französisch.

Jedes Detail muss abgesprochen werden

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Eurocom-Kontrollraum im EACAccess the image

An ihrem Kölner Arbeitsplatz ist Altenburger umringt von großen Displays, die ihr genau anzeigen, wo sich die ISS gerade befindet, ob die Crew schläft oder wach ist und welche Aktivitäten gerade laufen. Für jede Schicht wird sie detailliert gebrieft, welche Arbeiten, Experimente oder Prozeduren für die Astronauten der ISS an diesem Tag und in diesen Stunden anstehen. Der Tagesablauf auf der Raumstation ist durchgetaktet. Per Mail, Funk und auch Videokontakt sind die Eurocoms mit den Astronauten verbunden. Der Videokontakt ist wichtig, „denn oftmals, vor allem bei aufwendigeren Experimente, müssen wir in die Raumstation hinein gucken können“, sagt die Ingenieurin. Fehlt ein Schraubenschlüssel, ist ein Kabel nicht dort, wo es sein sollte, gibt es Probleme mit der Elektrik oder dem Equipment meldet sich die Crew bei den diensthabenden Eurocoms. Landet so ein Anruf bei Susanne Altenburger kontaktiert sie die entsprechenden Spezialisten oder Einrichtungen der ESA, die Abhilfe leisten können. Oftmals kommen auch Fragen nach dem korrekten Zeitverlauf. „Jedes Detail muss abgesprochen werden“, erklärt sie. Beispielsweise muss für bestimmte Experimente an Bord der ISS erst vom Boden aus der Strom auf die entsprechenden Leitungen freigeschaltet werden. Wie oft Anrufe aus dem All kommen, ist unterschiedlich. „Das hängt von der Prozedur und dem Tagesablauf der Astronauten ab“, sagt Susanne Altenburger. „Manche Anrufe sind geplant und manchmal ergeben sich unerwartete Nachfragen.“

Phone Home

Doch die 29Jährige ist nicht nur Anlaufstelle, wenn Fragen oder  Probleme auftreten. Als Crew Support ist sie auch zuständig dafür, dass Alexander Gerst oder den anderen Astronauten im Weltraum die Zeit nicht zu lang wird und sie sich wohl fühlen. Nach anstrengenden, langen Arbeitstagen auf der ISS soll die Mannschaft in ihrer Freizeit entspannen können. Als Crew Support sorgt sie dafür, dass die europäischen Astronauten regelmäßig mit ihren Familien auf der Erde telefonieren oder Videokontakt halten können. „Ich organisiere dann, wo und wann die Familienkonferenz stattfindet“, erzählt sie. Das geht per App und Tablett-Computer. Ein- bis eineinhalb-Stunden-Slots stehen dafür zur Verfügung. „Für den Empfang muss jedoch eine Satelliten-Abdeckung vorhanden sein.“ Die Infos dazu kommen von der NASA.

Was macht man nach Dienstschluss auf der ISS?

Zu einem Feierabend auf der ISS gehört die regelmäßige Versorgung mit aktuellen weltpolitischen Nachrichten von der Erde, aber eben auch mal mit Kinofilmen. „Ich bin für das Entertainment zuständig“, scherzt Susanne Altenburger. Wenn ein Astronaut einen Krimi, einen Actionfilm mit Bruce Willis oder vielleicht mal Julia Roberts im Weltraumthriller „Gravity“ sehen will, lässt er das den Crew Support wissen. Altenburger und ihre Kollegen laden dann die Wunschfilme für die extra angelegte Crewwebpage der ISS hoch. Meist auf Englisch oder Russisch. Ein gemütlicher Kinoabend, das geht auch im Weltraum - nur auf das Popcorn, auf das müssen die Astronauten 400 Kilometer über der Erde verzichten.

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