ESA Euronews: Europa baut unter Hochdruck neue Startrampe für Ariane 6

20 Dezember 2017

An der Nordostküste Südamerikas arbeiten Europas Raumfahrtingenieure auf Hochtouren an der neuen Startrampe für die Ariane 6-Rakete, die im Juli 2020 zum Jungfernflug abheben soll. Die gigantische Baustelle bei Kourou in Französisch-Guayana hat einen simplen Zweck: Der Start der Ariane 6 soll halb so viel kosten wie der Start der Vorgängerin Ariane 5. Dafür braucht es eine Menge Beton, Stahl und Arbeitskraft.

Ungefähr 500 Leute ziehen hier den Beton hoch, von dem aus die Ariane 6 ins All geschossen werden soll. Um 2020 einen sanften und erfolgreichen ersten Start zu ermöglichen, arbeiten die Teams in Schichten von sechs Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Zurzeit wird eine der zentralen Strukturen des Startplatzes gebaut, der Flammengraben.

Bauleiter Frederic Munoz: "Wenn die Rakete abhebt, treffen die Flammen und Abgase aus den Motoren auf den Deflektor am Grunde dieses Schlotes, dieses Loches hier. Und durch den großen Tunnel, diese große Betonstruktur von 200 Metern Länge, zwanzig Meter hoch und zwanzig Meter breit, werden die Flammen und die flüssigen Gase abgeleitet." 
  
Alles wurde so entworfen, dass ein Raketenstart so wenig Zeit und Geld wie möglich kostet. Dazu gehört auch die Umstellung auf den horizontalen, liegenden Bau der Ariane - die Vorgängerinnen wurden aufrecht gebaut.

62 oder 64? 

ESA-Programm-Manager Didier Coulon: "Dadurch, dass wir die Rakete horizontal zusammenbauen, brauchen wir viel kleinere Konstruktionshallen. Und damit benötigen wir auch weniger Klimatisierung, also senken wir die Kosten. Wenn wir dann die Rakete zusammengesetzt haben, wird sie auf einen Transporter gelegt und zur Startzone gefahren. Dort wird sie aufgerichtet, die Booster angebracht, in dem Moment kontrollieren wir dann auch die Rakete komplett, und danach gibt es grünes Licht, um das obere Teilstück mit dem Satelliten anzubringen. Wenn das alles erledigt ist, wird die große mobile Stütze von neunzig Metern Höhe zurückgezogen, und man kann zum Start übergehen." 

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Die Ariane-6 gibt es in zwei verschiedenen Konfigurationen Access the image

Von Französisch-Guayana aus wurden Raketen über fünfzig Jahre lang ins All geschossen. In Äquator-Nähe und mit dem Meer gleich nebenan ist es ein idealer Standort - und Europas eigenes Tor zum Universum. Aber das Geschäft wird härter mit der neuen privaten Konkurrenz durch SpaceX, das von der NASA unterstützt wird. 

Didier Faivre, Chef des Guiana Space Centre: "SpaceX hat den Vorteil eines moderneren Konzepts und ist auch attraktiver bei den Kosten. Daher haben wir Ariane 6 eingeführt. Die Verlässlichkeit der Ariane 5 ist perfekt, Sojus und Vega haben seit dem ersten Flug keinen Misserfolg gehabt, die Verfügbarkeit ist gut, wir haben elf bis zwölf Starts pro Jahr und die Termine werden eingehalten. Aber wir müssen uns bei den Kosten verbessern. Und dies soll Ariane 6 mit einem moderneren Konzept und einer stärkeren Modulbauweise ermöglichen. Wir wollen vergleichbare oder wenn möglich bessere Angebote machen können als SpaceX heute für seine kommerziellen Kunden." 
  
Ariane 6 soll die Kundennachfrage auf verschiedene Weise decken. Ihr oberer Teil soll wieder gezündet werden können und damit verschiedene Satelliten in unterschiedlichen Orbits absetzen können.

Zweitens gibt es sie in zwei verschiedenen Versionen, erklärt Bruno Gerard von Arianespace: "Der Vorteil von Ariane 6 ist, dass wir zwei Versionen haben, die 62 und die 64. 62 - zwei Booster, 64 - vier Booster. Mit vier Boostern haben wir die maximale Leistung. Generell könnten wir zwei Satelliten auf die geostationäre Transferbahn bringen oder einen extrem schweren Satelliten. Bei der Ariane 62 haben wir hingegen weniger Leistung, also auch weniger Kosten, und können einen Satelliten auf eine ganz spezifische Umlaufbahn bringen." 

Nur noch neun Tage von der Vorbereitung bis zum Start

Die neue Rakete nutzt Komponenten der bestehenden Vega- und Ariane 5-Modelle wie das Vulcain-Triebwerk. Eines der neuen Schlüsselelemente ist das Feststoffraketentriebwerk P120, das gerade getestet wird. Bauleiter Massimo Epifani: "Wir haben die Treibladung fabriziert, und wir haben die Triebwerke damit befüllt. Zurzeit bereiten wir die Kontrollen vor. Wir werden mit einer sehr leistungsstarken Röntgen-Installation kontrollieren, dass die Masse und das Innere des Triebwerks den spezifischen Anforderungen komplett entsprechen." 

Immer wieder werden in Kourou neue Einzelteile angeliefert und müssen eingesetzt werden. Didier Coulon: "Im Januar wird in Französisch-Guayana der Starttisch eintreffen. Das wird ein enormes Teil sein, er wiegt mehr als 500 Tonnen. Man muss das alles hier in der Vorbereitungszone zusammensetzen, und dann das Ganze über die Grube der Startrampe ziehen." 

Während in Kourou weiter an der Startrampe gearbeitet wird, sollen in Europa im Frühjahr die ersten neuen Raketen gebaut werden. Wenn der neue Standort in Kourou fertiggestellt ist, soll eine Ariane 6 nur neun Tage von der Vorbereitung bis zum Start brauchen - weit weniger als die dreißig Tage, die ihre Vorgängerin Ariane 5 benötigte. 

Mehr dazu in der aktuellen Folge von ESA Euronews Space! 

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